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Der Amoklauf des Professor Alexander Lerchl

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Franz Adlkofer


Prof. Alexander Lerchl schrieb kürzlich einen offenen Brief an Professor Niels Kuster, Mitautor der von der EU-Kommission geförderten REFLEX-Studie, in dem er seine Behauptung wiederholt, dass die REFLEX-Ergebnisse auf einer Fälschung beruhen (1) Für diesen neuerlichen Angriff gibt es einen besonderen Grund. Das Land-gericht Hamburg hat Ende 2012 in der Klage von Professor Franz Adlkofer gegen die Süddeutsche Zeitung (SZ) entschieden, dass die Ergebnisse der REFLEX-Studie durch eine Reihe anderer Untersuchungen als bestätigt angesehen werden müssen (Az.: 324 O 255/12). Dass sich die SZ überhaupt auf diesen Prozess einließ, ist allein Lerchl zuzuschreiben, der sie mit unzutreffenden Informationen versorgte. Das Fehlverhalten der SZ bestand lediglich darin, dass sie sich 2011 an Lerchls deutschlandweiter Pressekampagne gegen die RERFLEX-Studie beteiligte, ohne den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen überprüft zu haben. Lerchls neuer Angriff, der jetzt Niels Kuster veranlasste, die erfolgreiche Reproduktion der REFLEX-Ergebnisse zu bestätigen, hat den Charakter eines Amoklaufs. Ob er mit diesem Verhalten die SZ noch überzeugen kann, die Revision des ergangenen Urteils anzustreben, bleibt abzuwarten.

Dies sind die Fakten:

Mitte 2007 informierte Lerchl, schon damals bekannt als Lobbyist der Mobilfunkindustrie für den Bereich Wissenschaft, in einer offensichtlich konzertierten Aktion den Rektor der MUW, Professor Wolfgang Schütz, über seinen Verdacht, dass die an der MUW erarbeiteten REFLEX-Ergebnisse gefälscht sein könnten. Unter Missbrauch seiner Position und wahrscheinlich auch in Abstimmung mit der Mobilfunkindustrie in Österreich scheute Schütz nicht davor zurück, in einer Scheinuntersuchung Lerchls Verdacht bestätigen zu lassen. Die beiden Herren verfolgten zugegebenermaßen das Ziel, die Ergebnisse der REFLEX-Studie aus dem Verkehr zu ziehen. Dass sie damit auch die wissenschaftliche Reputation der verantwortlichen Forscher zerstörten, war ihnen gleichgültig. Die neuen Erkenntnisse wiedersprachen nicht nur entschieden den Interessen der Mobilfunkindustrie, sie schufen darüber hinaus die Grundlage für einen weiteren Forschungsantrag an die EU-Kommission. Dieser Nachfolgeantrag, der von den Gutachtern hoch bewertet und zur Förderung vorgeschlagen worden war, wurde offensichtlich von der Mobilfunkindustrie als besondere Bedrohung empfunden. Das dürfte der Hauptgrund gewesen sein, warum Lerchl eingeschaltet wurde, damit er unterstützt von Schütz das Problem aus der Welt schafft, was auch gelungen ist.

Drei Jahre nach Beendigung der REFLEX-Studie erfand Lerchl die Geschichte vom Fehlverhalten der Forscher an der MUW. Die Intrigen, die er und Schütz sich dabei ausdachten, um ihr Ziel zu erreichen, sind in allen Einzel-heiten dokumentiert (2, 3). Es hat tatsächlich eine Weile gedauert, bis die Herausgeber der beiden wissenschaftlichen Fachzeitschriften, in denen die REFLEX-Ergebnisse publiziert worden waren, erkannten, dass sie ausersehen waren, die Wünsche der Mobilfunkindustrie zu erfüllen. Schließlich verließen sie sich jedoch lieber auf ihr eigenes Urteil, vertrauten auf die Glaubwürdigkeit der Autoren und weigerten sich deshalb, Lerchls und Schütz Forderung auf Rücknahme der Publikationen nachzukommen. Lerchls Vorwurf, dass sie als Herausgeber mangels Kompetenz versagt hätten, mag sie von der Richtigkeit ihrer Entscheidung eher bestätigt haben. Seinen Argumenten fehlt jedoch jede sachliche Grundlage. Er stellt Zusammenhänge her, die es nicht gibt und geht von Ereignissen aus, die nie stattgefunden haben. Vor allem aber verschweigt er die wahren Motive, die ihn dazu bewegt haben, zum Erreichen seiner Ziele auf Methoden zurückzugreifen, die mit Ethik, auf die er sich so gerne beruft, nicht das Geringste gemein haben. Dies hat er vor kurzem mit seinen an Maß-losigkeit kaum überbietbaren Angriffen auf Professor Lennart Hardell, dessen epidemiologische Studien eine Zunahme des Hirntumorrisikos bei Langzeitnutzern von Mobiltelefonen zeigen, wiederum unter Beweis ge-stellt. Darüber wird demnächst berichtet werden.

Neben Lerchl spielt der Rektor der MUW, Wolfgang Schütz, in der REFLEX-Affäre eine entscheidende Rolle. Während Lerchl mit seinem Fälschungsverdacht den Anstoß für die Kampagne lieferte, war Schütz die Beweis-beschaffung zugedacht. In Österreich scheint ein solches Ansinnen nichts Ungewöhnliches zu sein. Im Sommer 2008, dem Höhepunkt der REFLEX-Affäre, äußerte sich eine der angesehensten wissenschaftlichen Fachzeit-schriften, nämlich Nature, bezogen auf einen Vorfall an der Universität Innsbruck über die Forschung in Öster-reich wie folgt: Österreich ist eine kleines Land, und die Netzwerke zwischen den Entscheidungsträgern sind eng und dicht. Ewas, so scheint es, ist faul im Staat Österreich, und dem muss offen entgegengetreten werden (4).

1. http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=52406
2. http://www.stiftung-pandora.eu/downloads/pandora_doku_wien-i-und-ii-2011.pdf
3. http://www.profil.at/articles/0826/560/210769/strahlenschmutz
4. http://www.nature.com/nature/journal/v454/n7207/full/454917b.html

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